Micam: Milano Moda
Zurück zur Normalität finden - so lautete die Hoffnung der Veranstalter vor dem Start der Micam in Mailand. "Dies ist eine besondere Ausgabe der Micam ", erklärte entsprechend Vito Artioli, Präsident des Verbandes der italienischen Schuhhersteller (ANCI), vor dem Messestart. "Die Unternehmen müssen ihr Bestes geben, um die Krise zu bewältigen, sie müssen Innovationen auf allen Ebenen durchführen, um diesen schwierigen Moment in eine Chance zu verwandeln."
Die Voraussetzungen für dieses Vorhaben stimmten: Mit 1.597 Ausstellern waren nur geringfügig weniger Schuhproduzenten präsent als vor zwölf Monaten, als 1.611 Unternehmen an der international bedeutenden Veranstaltung teilnahmen. Trotzdem erhielten die Erwartungen bereits am Eröffnungstag einen empfindlichen Dämpfer. Nur schleppend und in kleinen Gruppen fanden die Besucher den Weg auf das Messegelände in Rho Pero. Es wurde vermutet, dass dies nicht zuletzt auf die unbeständige Terminpolitik der Veranstalter zurückzuführen sei. Im weiteren Verlauf der Messe nahmen jedoch die Frequenz sowie die Internationalität der Besucher spürbar zu. Allerdings waren dabei erneut deutlich weniger Einkäufer aus Russland anwesend als in den Jahren vor der Krise. Dies spiegelt sich auch in den offiziellen ANCI-Statistiken wider, die einen erheblichen Einbruch der Exporte in diesen ehemals so bedeutenden Markt in den vergangenen Monaten ausweisen (siehe S. 18). Auch deutsche Einkäufer wurden vielfach vermisst, die Messe mancherorts sogar als die bislang schwächste bezeichnet. Dennoch war in den Messehallen eine Entspannung der Lage spürbar, die Krise war nicht unbedingt ein Thema. Zahlreiche Hersteller äußerten sich auch zufrieden mit dem Besucheraufkommen und dem Orderverhalten. "Es sind nicht unbedingt mehr Besucher hier, aber diejenigen, die gekommen sind, ordern wieder mit größerer Zuversicht als noch im vergangenen Jahr", hieß es beim italienischen Label Loriblu. Auch die Terminierung vor der GDS war ein viel besprochenes Sujet. Vielen italienischen Fabrikanten war der Micam-Termin deutlich zu früh, andere konnten sich gut damit arrangieren. "Eines Tages muss man schließlich anfangen zu schreiben", tat Sandro Vicari die Diskussion lässig ab.
Modisch gesehen bot die Micam keine riesigen Überraschungen, sondern verkäufliche Trends und kreative Impulse. "Es gibt in dieser Saison keine bahnbrechenden Neuheiten, es gibt gute Weiterentwicklungen", brachte es Sabu-Geschäftsführer Ralph Hanus auf den Punkt. Es gebe keinen Grund, den eleganten Langschäfter tot zu reden, so der Fachmann. Stattdessen kämen Klassik und traditionellere Werte in der Modellerie zum Tragen. Gewarnt wurde vielerorts vor zu viel Kernigkeit und Vintage-Optik. "Es gibt durchaus eine Kundin, die nicht in robusten, abgewetzen und auf alt gemachten Biker Boots ins Büro gehen möchte", warnte Ingrid Höing von Pura López. "Die Frau braucht im nächsten Winter etwas, das gut kombinierbar ist." Und auch Daniela Romano setzt mit ihrer neuen Marke Manufacture d'Essai auf die elegant-sportive Umsetzung bestehender Trends, die aber zum Business-Kostüm getragen werden können. Feminität, Eleganz und Sexappeal sind sicher Themen, die auch im Stiefel- und Pumpsbereich nicht zu verachten sind. Plateausohlen bleiben wichtig - nicht allein bei den Italienern - und bekommen durch Profilböden eine aggressive, sportivere Optik. "Gesucht wird in Mailand Mode - neue Schuhe, neue Formen", erklärte Uwe Deinert von Vic Matié. Die italienische Marke hat sich für die kommende Saison hochwertiger, teurer und noch modischer aufgestellt. Auf Konzentration und Neuausrichtung setzt man auch bei dem spanischen Fabrikat Lodi, das Martina Denkstein ab der Saison Herbst/Winter 2010/11 vertritt. Hier trennen die Linien Black und Red das Sortiment in sportive und elegante Gruppen. "Unsere Kunden suchen vor allem nach neuen Ledern", stellte Martina Denkstein fest. Zu den Neuheiten zählen Velours in feinen Naturtönen sowie Taupe und auch die gefetteten Nubuks und Nappas mit Antik-Finishs. Schwarz wird auch im kommenden Winter die Sortimente bestimmen - nicht zuletzt ist die Nichtfarbe auch ein Fashion-Statement und kommt meist auf feinen, glatten Kalbledern daher. Merlot und kräftiges Blau sowie Petrol sind die Trendfarben der Saison, sie kommen in vielen verwaschenen Optiken auf weichen Rauledern schön zur Geltung.
Die nächsten beiden Termine der Micam wurden von den Veranstaltern bereits festgelegt. Die Veranstaltung im Herbst 2010 findet von Sonntag, 19. bis Mittwoch, 22. September statt. Im Frühjahr 2011 soll die Messe von
Sonntag, 6. bis Mittwoch, 9. März stattfinden.







