Wortmann KG, Detmold: Ganzheitlich Fashion
Mit der Marke Tamaris ist die Detmolder Wortmann KG weiter auf Erfolgskurs. Konsumig, modisch und schnell zeigt Tamaris, welche Trends laufen. schuhkurier sprach mit Wortmann-Marketingleiter Jens Beining über die weitere Strategie.
sk: Mit sechs Kollektionen pro Jahr geht Tamaris an den Start - wie gelingt das?
Wir richten unsere Kollektionen an den Bedürfnissen der Endverbraucherin aus. Sie erwartet heute immer wieder neue Impulse. Gelernt hat sie es das bei den Vertikalen im Textilbereich (H&M, Zara etc.) Diese schaffen es, die Kundin mehrfach in einer Saison mit immer neuer Ware zu überraschen. Aus meiner Sicht gibt es hier noch viel Nachholbedarf im Schuhhandel. Mit den sechs Kollektionen und zahlreichen Nachtragsprogrammen versuchen wir diesem Anspruch gerecht zu werden. Ich bin davon überzeugt, dass die Kundin im Jahr zwölf Monate Schuhe kaufen möchte; unsere Fabriken müssen ebenfalls zwölf Monate im Jahr gefüllt sein, also ist es letztendlich einen Frage der Einsteuerung der Ware auf die Flächen und der Produktionssteuerung.
sk: Wann ist eine aktuell angesagte Farbe drin in der Kollektion und schließlich am Point of Sale?
Benetton hat es seinerzeit vorgemacht: Erst stricken, dann färben, was gefragt ist. Dass können wir Schuster leider nicht. Man muss aber schon genau hinsehen, was im Textilbereich WIRKLICH läuft, d.h. was wird auch überhaupt erst einmal WIRKLICH vom Handel geordert und nicht nur von den Designern gehypt. Da wir im engen Austausch mit Textilindustrie und -handel stehen, sind wir sehr nah am Ball und relativ schnell mit den Farben auf den Flächen. Das müssen wir auch, denn Farben gehen - wie wir alle wissen - immer als erstes.
sk: Der Tagespresse war zu entnehmen, dass Sie sich Tamaris-Schuhe auf eigenen Flächen in Modehäusern vorstellen können...
Wir sind schon seit vielen Jahren mit Tamaris im Texteileinzelhandel vertreten. Insbesondere in den letzten Jahren durch die Systempartnerschaft. Die Konsumenten erwarten mehr denn je den ganzheitlichen Fashion- und Outfit-ansatz. Dazu gehören eben sämtliche Accessoires, wie auch Modeschmuck, Taschen und dem Accessoire überhaupt, nämlich dem Schuh. Die Nachfrage nach Schuhen im Textilhandel ist in letzter Zeit sehr stark gestiegen und ich bin davon überzeugt, dass immer wieder Textiler dieses Wachstumsfeld aufnehmen werden. Sämtliche Flächen sind mit Partnern betrieben. Eigene Flächen gibt es nicht, sind auch nicht in Planung.
sk: Bislang haben Sie stets die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Schuhhandel betont. Erleben wir nun also den Paradigmenwechsel?
Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Schuhhandel hat nach wie vor oberste Priorität. Das war immer so und wird auch immer so bleiben. Das zeigen schöne Beispiele der Tamaris Systempartnerschaft. Selbst so genannte Flagship-Standorte wie Köln, Berlin oder Brüssel, die häufig von der Industrie bzw. den Marken selbst betrieben werden, werden bei Tamaris in Partnerschaft mit Kunden betrieben. An jedem Standort, für den wir einen Partner gewinnen können, expandieren wir mit einen Partner.
sk: Wie viel Tamaris verträgt der Markt?
Es gibt immer noch Standorte, an denen das Potenzial nicht ausgenutzt wird. Teilweise weil gar keine Schuhhändler mehr vor Ort sind. Ich möchte behaupten, dass keine Marke im Schuhbereich so konsumig aufgestellt ist und eine so breite Zielgruppe anspricht wie Tamaris. Durch die Segmentierung der Kollektion in Tamaris, Tamaris active und die junge hochmodische Linie Tamaris Trend haben wir es geschafft, eine noch breitere Zielgruppe zu erreichen. Unsere kritischen Analysen haben auch gezeigt, dass der Multilabelhandel am Ort mehr Tamaris - und nicht, wie oft geäußert wird - weniger Tamaris verkauft. Das Gegenteil ist der Fall: Wer Tamaris in seinem Geschäft als Marke herausstellt, verkauft mehr. Auch ein Indiz dafür, dass es noch Luft gibt. Aber unsere Aufgabe ist es, dieses sehr genau zu beobachten und die Marke nicht zu überdistribuieren.
sk: Tamaris-Schuhe im Textilhandel - wann kommt die Tamaris-Textilkollektion?
Schuster, bleib bei Deinen Leisten. Wir möchten zwar mit Tamaris zur Lifestylemarke werden, aber das ist sicherlich ein sehr sehr langer Weg. Aber hier sind erst einmal ganz andere Produktsegmente zu forcieren. Wir haben vor vier Saisons die Taschen- bzw. Accessoires- Lizenz vergeben. Mit viel Herzblut werden wir diese Themen und auch das Furniturengeschäft mit unseren Lizenzpartnern vorantreiben. Diese Stärken möchten wir weiter stärken. Eine Tamaris Klamotte ist ganz weit weg.






